https://rotezora.phpbb8.de/

»Grohnde muß vom Netz«
https://rotezora.phpbb8.de/viewtopic.php?f=56&t=971
Page 1 of 1

Author: Admin [ 12. Jun 2014 22:15 ]
Post subject: »Grohnde muß vom Netz«

»Grohnde muß vom Netz«


Atomkraftgegner gehen am Samstag in Hannover für die Stillegung des Atomkraftwerks auf die Straße
Von Reimar Paul
Das AKW Grohnde im niedersächsischen Kreis Hameln-Pyrmont ist seit Ende April abgeschaltet. Und wenn es nach den Atomkraftgegnern geht, soll das auch so bleiben. Sie wollen am Samstag in Hannover mit einer Demonstra­tion den Druck auf den Betreiber E.on und Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) erhöhen, den Meiler endgültig stillzulegen.

Grohnde produziert seit 30 Jahren Strom, Atommüll und jede Menge Störfälle. Mehr als 200 Pannen haben Umweltschützer aufgelistet. Zuletzt klappte fast gar nichts mehr: Während der Revision wurde bekannt, daß der Generator einen Totalschaden hat und ausgewechselt werden muß. Ein gebrauchter, nach Angaben von Umweltschützern angerosteter Ersatzgenerator wurde inzwischen per Schiff nach Grohnde gebracht. Später entdeckten Techniker, daß an neun von 132 sogenannten Drosselkörpern, die den Kühlwasserstrom an Brennelementen regeln, die Federn gebrochen waren.

Während E.on das alles für nicht bedenklich hält, sind Atomkraftgegner alarmiert. »Ein AKW, bei dem im Reaktorkern, direkt bei den Brennelementen, jederzeit Bauteile abbrechen können, darf nicht wieder ans Netz gehen«, sagt etwa Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation »ausgestrahlt«. Vom für die Druckfedern der Drosselkörper verwendeten Werkstoff »Inconel X 750« sei »nach unseren Informationen seit mehr als drei Jahrzehnten bekannt, daß er besonders leicht bricht«. Anders als von E.on behaupte, stelle das durchaus ein potentielles Risiko dar, sagte Stay. »Die Bruchstücke der Federn könnten etwa Steuerstäbe blockieren und die thermohydraulischen Verhältnisse im Reaktorkern verändern.«

1990 räumte selbst die schwarz-gelbe Bundesregierung »systematische Schäden an Konstruktionselementen aus dem Werkstoff »Inconel X 750« ein, darunter auch »Schäden an Federelementen«. Zuvor waren unter anderem 1983 im AKW Grafenrheinfeld, 1987 im AKW Grohnde, 1988 im AKW Brokdorf und 1989 im AKW Philippsburg II Risse an Brennelement-Zentrierstiften aus »Inconel X 750« aufgetreten, außerdem 1985 an daraus gefertigten Schrauben im AKW Gundremmingen B. Der Werkstoff, konstatierte die Regierung 1990, sei unter anderem bei Kontakt mit Wasser aus dem Kühlkreislauf von Atomkraftwerken besonders »anfällig gegen interkristalline Spannungsrißkorrosion«.

Landesumweltminister Wenzel hat zwischenzeitlich eine Task Force in das Kraftwerk entsandt und externe Gutachter mit weiteren Prüfungen beauftragt. Den Atomkraftgegnern aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – die Stadtwerke Bielefeld halten eine Beteiligung von 18,7 Prozent am AKW – reicht das allerdings nicht.

Sie wollen eine bereits laufende Unterschriftenkampagne für die Stilllegung von Grohnde ausweiten und haben für den kommenden Samstag den 14. Juni, zu einer Demonstration in Hannover aufgerufen. Nach einer Kundgebung am Mittag auf dem Opernplatz wollen sie mit Treckern, Atommülltonnen und unter Samba-Klängen zum Umweltministerium ziehen. Der »Super-GAUl«, ein mehr als fünf Meter hohes Pferdegerippe mit Gasmaske, soll ebenfalls im Zug mit traben. »Das AKW Grohnde muß endlich stillgelegt werden«, fordert auch die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), die den Aufruf mit unterzeichnet hat und am Samstag mit dem MMKW (Mobilisierender Musikkampfwagen) in Hannover dabei sein wird.

In Göttingen, Braunschweig, im Wendland und anderenorts wird seit Pfingsten kräftig für die Demonstration mobilisiert. 15000 Flyer sollen unter die Leute gebracht werden. Göttinger Initiativen hatten anstelle der Proteste in Hannover eine Aktion direkt am AKW Grohnde vorgeschlagen, auf Vorbereitungstreffen fand diese Idee aber keine Mehrheit



www.grohnde-kampagne.de
jw

Page 1 of 1All times are UTC + 1 hour [ DST ]
phpBB Forum Software